Seit Jahrhunderten werden landwirtschaftliche Flächen im Schweizer Kanton Wallis mit Suonen bewässert. Diese offenen Kanäle leiten das Wasser der wilden Bergbäche hin zu den Weiden, Äckern und Obstplantagen der Dörfer. Die Suone von Ayent macht das über 11 Kilometer und 500 Höhenmeter – eine Herausforderung für die Überwachung. Neuerdings erspart jedoch ein Monitoring den Betreibern lange Wege und unschöne Überraschungen: An einem Übergabepunkt erfasst ein Füllstandssensor rund um die Uhr die Wassermenge. Die Messwerte bekommen die Zuständigen direkt aufs Smartphone. So sehen sie aus der Ferne, ob alles in Ordnung ist.
Schneller Nutzen
Hinter der intelligenten Lösung steckt das IIoT-Ökosystem Netilion von Endress+Hauser. „Es macht Daten von Feldgeräten und wichtige Geräteinformationen überall und jederzeit zugänglich. Durch diese Transparenz können Anlagenbetreiber schnell Nutzen aus der Digitalisierung ziehen“, sagt Bernd Krehoff, Chief Product Owner für Software bei Endress+Hauser. Dafür senden die Sensoren ihre Messwerte und Daten über einen eigenen, sicheren Kanal in die Netilion-Cloud. Dort werden sie mit den Digitalen Zwillingen der Geräte verknüpft und für digitale Dienste genutzt. Mit diesen können Anwender die Instrumente ihrer Anlage verwalten, auf Messwerte zugreifen und anhand der Diagnosedaten erkennen, ob mit ihren Sensoren alles in Ordnung ist. Bei Problemen ist die gesamte Gerätedokumentation schnell verfügbar.
„Besonders die Wasser- und Abwasserindustrie setzt Netilion als Vorreiter umfangreich ein: Die Fernüberwachung von entlegenen Messstellen, aber auch von ganzen Wassernetzen, steigert die Effizienz und die Qualität und spart zugleich Kosten“, erklärt Bernd Krehoff. Doch die klassischen Prozessanlagen, in denen hunderte oder gar tausende Sensoren verbaut sind, holen auf: „Netilion kann hier die Instandhaltung der installierten Basis enorm vereinfachen und die Anlagenverfügbarkeit erhöhen“, sagt der Softwarespezialist.
Smarte services
Zum IIoT Ökosystem Netilion gehören sieben digitale Services. Mit Netilion Value können Anlagenbetreiber auf Messwerte zugreifen. Zudem gibt der Service Grenzwert Alarme aus. Mit Netilion Analytics werden alle Assets einer Anlage digital erfasst und verwaltet. Netilion Health erkennt Änderungen am Gerätestatus und sagt, was dann zu tun ist. In der Netilion Library lassen sich gerätebezogene Dokumente organisieren. Mit Netilion Inventory werden die Bestände von mobilen und dezentralen Containern und Tanks kontrolliert. Netilion Network Insights hilft bei der Überwachung und Optimierung von Wassernetzen. Und schließlich unterstützt Netilion Liquiline Assist Betrieb und Wartung von Messstellen zur Flüssigkeitsanalyse.
In großen Anlagen wie in der Chemieindustrie sind hunderte Messgeräte verbaut – oft an schwer zugänglichen Stellen.
Überprüfung ohne Prozessunterbrechung
Das zeigt das Beispiel von Nouryon. Das niederländische Unternehmen gehört zu den Weltmarktführern in der Spezialitätenchemie. Am Standort in Herkenbosch musste das Team der technischen Werkstatt früher ins Feld, um der Ursache eines Problems auf die Spur zu kommen. Seit einiger Zeit hat es den Gesundheitsstatus aller Geräte über Netilion Health in Echtzeit im Blick. Zudem stößt es über den digitalen Dienst Inline-Verifikationen von Geräten an. Die Instrumente, die über das digitale HART-Protokoll kommunizieren, müssen für die Überprüfung nicht mehr demontiert, Prozesse nicht unterbrochen werden. Nouryon konnte so die Wartungsabläufe und Kalibrierzyklen optimieren und ungeplante Anlagenstillstände vermeiden.
Das Werk in Herkenbosch ist zu 90 Prozent mit Endress+Hauser Messtechnik ausgestattet. Blinde Flecke im Gesamtbild gibt es nicht. „Wir haben Netilion als herstellerunabhängiges IIoT-Ökosystem konzipiert. Netilion Health kann den Gesundheitsstatus von Geräten von mehr als 50 Herstellern anzeigen. Dazu gehören neben Messgeräten auch Pumpen und Ventile“, sagt Bernd Krehoff. Zudem lassen sich die Daten über die Netilion Connect Schnittstelle (API) und einen OPC-Server in jedes beliebige andere System integrieren.
Digitale Dienste sorgen dafür, dass die richtigen Informationen zur richtigen Zeit immer sofort zur Hand sind. Die Daten lassen sich auch in andere Plattformen integrieren.
Automatische Dokumentation
Das Unternehmen Best Water Technology (BWT) nutzt diese Möglichkeit, um sich selbst und den Kunden die Dokumentation zu erleichtern. Der Systemanbieter beliefert die Life Sciences mit Skids zur Reinstwasser-Aufbereitung. Bis zu 200 Komponenten werden pro Skid verbaut. Bislang luden Mitarbeitende alle Geräte-Dokumente manuell ins eigene Portal hoch – ein enormer Aufwand. Jetzt scannt das Team einfach den Data Matrix Code auf dem jeweiligen Messgerät; in der Netilion Cloud wird der Digitale Zwilling mit der entsprechenden Dokumentation verknüpft und ins BTW-System überspielt. Dort können die Kunden dann beispielsweise Kalibrierprotokolle oder Bedienungsanleitungen abrufen. „Die Kompatibilität von Systemen ist essenziell, damit Anwender von Daten aus der Feldebene auch in anderen Bereichen profitieren und ihre Geschäftsprozesse optimieren können“, sagt Bernd Krehoff.