Herr Gökstorp, was hat Sie bewogen, in der Prozessautomation den Schulterschluss mit einem anderen Unternehmen zu suchen?
Gökstorp: Wir sehen eine rasante und globale Veränderung in vielen Industrieunternehmen. Hohe Energiekosten, verbindliche Nachhaltigkeitsziele, politische, aber auch gesellschaftliche Erwartungen treiben enorme Transformationsprozesse voran. Unternehmen wollen und müssen ihre Produktionsprozesse also umbauen und energieeffizienter gestalten. Gleichzeitig können es sich Unternehmen nicht leisten, ihre Rentabilität aus den Augen zu verlieren, um in diesem Wandel erfolgreich zu sein. Darin sehen wir für uns eine große Marktchance. Gleichzeitig ist es so, dass die Prozessautomation bei SICK einen eher kleinen Teil ausmacht. Unser Kerngeschäft ist die Fabrik- und Logistikautomation, in diesen beiden Feldern generieren wir über 80 Prozent unseres Umsatzes. Deshalb sind wir zum Schluss gekommen, dass eine strategische Partnerschaft aus technologischer wie vertrieblicher Sicht sinnvoll ist. Und dass wir mit einem passenden Partner unsere Kunden besser unterstützen und von den Wachstumschancen stärker profitieren können.
Was hat dabei für Endress+Hauser als Partner gesprochen?
Gökstorp: Das war aus mindestens zwei Gründen sehr naheliegend: Zum einen ist Endress+Hauser genauso wie SICK in den eigenen Anwendungen technologisch führend – und die bestehenden Produktportfolios ergänzen sich sehr gut. Zum anderen sind sich die Unternehmen in vielen Dingen sehr ähnlich. Ich war also von Anfang an sicher, dass es technologisch, kulturell und menschlich passen würde, und das hat sich auf dem Weg zur Gründung der Partnerschaft auch bestätigt.
Herr Selders, warum ist es für Endress+Hauser sinnvoll, diesen Weg der Partnerschaft zu gehen?
Selders: Ganz einfach: Weil eins plus eins in diesem Fall mehr als zwei ergibt. Wir haben die Möglichkeit einer engen Zusammenarbeit sorgfältig geprüft und sind zum Schluss gekommen, dass das Bündeln unserer Kräfte in der Prozessautomatisierung beiden Seiten großen Nutzen bringt. Diese strategische Partnerschaft eröffnet Chancen für Wachstum und Entwicklung. Wir können gemeinsam in überschaubarer Zeit mehr erreichen als jedes Unternehmen für sich allein.
Endress+Hauser und SICK haben schon bisher auftrags-, kunden- und projektbezogen zusammengearbeitet. Was bedeutet die Partnerschaft darüber hinaus?
Selders: Wir haben bei Endress+Hauser Partnerschaften immer als Möglichkeit verstanden, miteinander etwas Neues aufzubauen; das ist in einer situationsbezogenen Zusammenarbeit nicht möglich. Wir wollen in der Partnerschaft gemeinsam wachsen und uns langfristig weiterentwickeln, indem wir durch Kooperation und in der Vernetzung, durch das Zusammenwirken der Menschen, Mehrwert schaffen für unsere Kunden. Technologie und Produkte sind wichtig, sie bilden die Grundlage unseres Geschäfts. Aber entscheidend sind die Menschen. Sie machen den Unterschied. Sie bringen sich mit ihrem Wissen und Können ein und mit ihrer Persönlichkeit. Darauf freuen wir uns!
Gökstorp: Unser gemeinsames Ziel ist, die Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette möglichst gut zu unterstützen. Wir wollen zusammen erstklassige Technologien und Dienstleistungen anbieten, um die Herausforderungen der Kunden optimal zu lösen. Gleichzeitig legen wir ein besonderes Augenmerk auf die Mitarbeitenden. Mein Ziel war auch immer, dass wir für die Mitarbeitenden gute Lösungen finden. Nur dann kann die Partnerschaft ein Erfolg werden.
Die Partnerschaft wird das Angebot von Endress+Hauser um Prozessanalyse- und Gas-Durchflussmesstechnik von SICK erweitern. Welche Vorteile haben die Kunden hiervon?
Selders: Unseren Kunden geht es darum, ihre Prozesse zu verbessern und ihre Effizienz zu erhöhen. Wenn wir dafür mehr Produkte aus einer Hand liefern, machen wir ihnen das Leben leichter. Die Gas-Durchflussmessgeräte von SICK ermöglichen zum Beispiel den Umstieg auf emissionsarme und auch nicht-fossile Energieträger; mit den Prozessanalysatoren lassen sich Emissionen zuverlässig überwachen. Diese Produkte ergänzen unser Portfolio in idealer Weise. Sie sind, wie unsere eigenen Produkte, qualitativ hochwertig und in ihren jeweiligen Anwendungen führend.Um die Produktion und Weiterentwicklung der SICK-Prozesstechnik wird sich ein gemeinsames Unternehmen kümmern.
Was dürfen die Kunden von dieser Kooperation erwarten?
Gökstorp: Die Kunden werden einen professionellen Partner erleben, der die Stärken von Endress+Hauser und SICK vereint. Sie werden von einer Reihe neuer Lösungen in den Bereichen Emissionsüberwachung und Durchflusslösungen profitieren sowie von professioneller Beratung, um die beste Lösung für ihre Bedürfnisse zu finden.
Selders: Das Joint Venture wird in unser Netzwerk für Innovation, Produktion und Logistik eingebunden. Wir wollen auf mittlere Sicht durch Austausch und Zusammenarbeit gemeinsam an Dynamik gewinnen und Synergien heben. Aber erst einmal steht die Integration in die neuen Strukturen im Vordergrund. Das gegenseitige Kennenlernen, das Knüpfen von Kontakten und der Aufbau von Vertrauen. Wir begeben uns hier gemeinsam auf eine Reise.