Bewährte Verfahren für CO₂-Transport und -Speicherung
Die nachgelagerten Prozesse der CO₂-Abscheidung, effiziente und sichere Transport- und Speicherverfahren, müssen für eine gute Entscheidungsfindung sorgfältig geprüft werden
In Kürze
- Logistik & Infrastruktur: Detaillierte Beschreibung kosteneffizienter und sicherer Methoden für den Transport großer CO2-Mengen, einschließlich der technischen Herausforderungen und Sicherheitsanforderungen bei der Umnutzung von Pipelines.
- Reinheit & Konformität: Verständnis, weshalb die Reinheit von CO2 für die Unversehrtheit von Pipelines und eine sichere nachgelagerte Nutzung unumgänglich ist, sowie Kenntnis der gesetzlichen Rahmenwerke, die den Transport regeln
- Dauerhafte Sequestrierung: Untersuchung der Durchführbarkeit von geologischen Speicherlösungen und der umfangreichen Überwachung, die erforderlich ist, um eine langfristige Rückhaltung zu gewährleisten und ein Austreten von CO2 zu verhindern.
- Einführung auf breiter Basis: Hervorhebung der strategischen Investitionen, technologischen Innovationen und branchenübergreifenden Zusammenarbeit, die erforderlich waren, um CCUS anzupassen und weltweite Netto-Null-Ziele zu erfüllen.
Die CCUS-Wertschöpfungskette: Von der Abscheidung bis zur Speicherung
Was CCUS zur Reduzierung von industriellen Emissionen unerlässlich macht
Abscheidung, Nutzung und Speicherung von CO₂ (Carbon Capture, Utilization and Storage, CCUS) entwickelt sich zunehmend zu einer gängigen Strategie, um industrielle Emissionen zu verwalten und die Abgabe von schädlichen CO₂-Treibhausgasen (Greenhouse Gas, GHG) an die Atmosphäre zu verhindern. Diese Methoden sind aus zwei wesentlichen Gründen besonders attraktiv:
- Gesetzeskonformität: CCUS-Verfahren ermöglichen es Branchen mit höheren Emissionen, wie z. B. die Zement- oder Stahlindustrie, gesetzliche Ziele effektiv zu erfüllen
- Verringerung von Beschränkungen: Die Implementierung von CCUS-Verfahren ist besonders sinnvoll, wenn die Möglichkeiten zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen durch einfachere Methoden – wie z. B. grundlegende Verbesserungen der Prozesseffizienz oder die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen – begrenzt oder technisch nicht realisierbar sind
Zwar liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung von effizienten Methoden zur Kohlenstoffabscheidung, allerdings sind auch in den nachgelagerten Prozessen umfangreiche Maßnahmen nötig, um das abgeschiedene CO2 zu verarbeiten. Die wichtigsten Schritte in diesem Prozess sind:
- Verdichtung: Nach der Abscheidung muss das gasförmige CO2 verdichtet werden, manchmal bis hin zum flüssigen Zustand
- Transport: Danach wird das CO2 sicher an einen sorgfältig ausgewählten Standort transportiert, wo es entweder verwendet oder gespeichert wird
- Logistik: Hierbei sind zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen, so u. a. Entfernung, Geographie, bestehende Infrastruktur, Umweltauswirkungen und Transportkosten
Kohlendioxidtransport: Sichere Infrastruktur zur Dekarbonisierung
Derzeit dominieren drei Transportmittel die industrielle Landschaft. Jede Transportmethode bietet – je nach Umfang und geographischer Lage des Projekts – spezifische Vorteile:
- Pipelines: Die am besten etablierte und oftmals wirtschaftlichste Option für den Transport großer Mengen an CO2 über große Entfernungen, insbesondere über Land. Bestehende Erdgasleitungen können umgewidmet werden, um Kosten und Umweltbelastung zu reduzieren. Dies erfordert jedoch aufgrund der korrosiven Eigenschaften und höheren Druckanforderungen von CO2 eine sorgfältige Prüfung. Während Erdgasleitungen typischerweise bis ca. 90 bar (1.300 psi) arbeiten, kann der CO2-Transport Drücke von bis zu 150 bar (2.175 psi) erfordern.
- Schiffe: Ideal für den Überseetransport zu weit entfernten Nutzungs- und Speicherstätten.
- Überland per Lkw & Bahn: Bietet Flexibilität für kleinere Mengen oder kürzere Entfernungen, bei denen die Pipeline-Infrastruktur begrenzt ist. Lkws und Bahn ermöglichen den Transport zwischen Abscheidestätten, Speicherstätten oder Sammelstellen, wird jedoch über große Entfernungen hinweg kostspielig und führt – im Falle von Lkw – zu mehr Verkehr und höheren Dieselemissionen.
Wichtige Erkenntnisse
Die Umwidmung von Pipelines erfordert aufgrund der korrosiven Natur von CO2 und des höheren Drucks eine sorgfältige Prüfung. Während Erdgasleitungen auf 90 bar (1.300 psi) beschränkt sind, erfordert der CO2-Transport oftmals Drücke von bis zu 150 bar (2.175 psi).
Pipeline für den CO₂-Transport
Zusicherung von Sicherheit und Reinheit im industriellen CO₂-Transport
Für einen sicheren und effizienten Transport von Kohlendioxid müssen gesetzliche Vorschriften und Reinheitsstandards eingehalten werden. Jede Region hat zwar ihre eigene Gesetzgebung, Kohlendioxid in hohen Konzentrationen wird jedoch prinzipiell als Gefahrstoff eingestuft. Für den Transport gelten ähnlichen Vorschriften wie für Erdgas. Diese Vorschriften sind für die Unversehrtheit der Pipeline, Vermeidung von Lecks und Notfallprotokolle entscheidend.
Darüber hinaus ist die CO2-Reinheit sowohl für Endanwendungen als auch für die Transportsicherheit von kritischer Bedeutung. Verunreinigungen wie Wasser, Schwefelwasserstoff und Stickoxide können erhebliche Risiken darstellen, die möglicherweise chemische Reaktionen, Korrosion, Produktdefekte und Schäden an der Infrastruktur verursachen.
Wie Endress+Hauser Sie unterstützt
Um diese Risiken bewältigen zu können, benötigen Sie Gewissheit in Echtzeit. Endress+Hauser liefert eine zuverlässige, genaue Instrumentierung, wie sie zur Überwachung von Durchflussrate, Druck, Temperatur, Qualität und Zusammensetzung erforderlich ist. Dies unterstützt Sie dabei:
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- Verunreinigungen sofort zu erkennen
- Die langfristige Unversehrtheit Ihres gesamten Transportsystems sicherzustellen
CO2-Speicherung für einen grüneren Planeten
Nach der Abscheidung und Lieferung muss das CO₂ entweder in einem industriellen Prozess verwendet oder sicher gespeichert werden, um eine Freisetzung in die Atmosphäre zu verhindern. Als Speicherorte werden meist Hohlräume in geologischen Formationen gewählt; aber auch die Sequestrierung unter dem Meeresboden stößt auf wachsendes Interesse.
Kohlendioxid, das aus industriellen Prozessen abgeschieden wird, kann für Jahrhunderte tief unter der Erde oder im Meeresuntergrund gelagert werden
Speicherung in geologischen Formationen
Die Speicherung von CO₂ in geologischen Formationen erfolgt durch die Einleitung des CO₂ in sorgfältig ausgewählte und überwachte Standorte tief unter der Erde, oft mehr als einen Kilometer unter dem Grundwasserspiegel. Geeignete Standorte sind üblicherweise bereits vorhandene unterirdische Speicher, beispielsweise erschöpfte Öl- und Gasfelder, tiefe salzhaltige Grundwasserleiter (saline Aquifere) und Kohleflöze, die nicht weiter abgebaut werden können. Diese porösen Gesteinsformationen sind in der Regel mit einem nicht porösen Deckgestein verschlossen, das ein Entweichen des CO₂ verhindert.
Die unterirdische Speicherung stellt ein sicheres Verfahren zur CO₂-Sequestrierung über tausende von Jahren dar. Nach Schätzungen des U.S. Geological Survey (USGS) verfügen die Vereinigten Staaten über geologische Formationen, in denen etwa 3.000 Gigatonnen CO₂ gespeichert werden können. Die Auswahl geeigneter Speicherstätten erfordert jedoch umfangreiche geologische Untersuchungen und Modellerstellungen, um die Integrität der Speicherstätten sicherzustellen. Mit diesem Prozess sollen darüber hinaus potenzielle Risiken wie eine induzierte Seismizität und Auswirkungen auf die Grundwasserressourcen minimiert werden.
Alternative Speichermethoden für CO2
Obwohl die geologische Speicherung in der nächsten Zukunft noch immer die praktikabelste Option ist, suchen Forscher doch weiterhin nach Alternativen. Die mineralische Karbonisierung ahmt beispielsweise natürliche geologische Prozesse nach, bei denen CO₂ mit Elementen im Erdreich reagiert und stabile Carbonatminerale bildet, die Kohlenstoff über lange Zeiträume binden. Obwohl die Langzeitspeicherung vielversprechend ist, erfordert dieses Verfahren einen hohen Energieaufwand und stößt auf Hindernisse in Bezug auf Kosten, Skalierbarkeit und Ressourcenzugang.
Alternativ kann Kohlendioxid auch in Gesteinsformationen unter dem Meeresboden eingeleitet werden. Die europäische Nordsee bietet beispielsweise das Potenzial, etwa 100 Mrd. Tonnen CO2 in mächtigen Sandsteinschichten zu speichern. Das entspricht fast den gesamten weltweiten Emissionen über drei Jahre.
Wie präzise Messungen und Überwachung Sicherheit und Integrität sicherstellen
Genaue Messungen und die Überwachung mit geeigneten Messgeräten sind in der gesamten CCUS-Kette unerlässlich, um Prozesseffizienz, Sicherheit und Umweltschutz zu gewährleisten. Während des Transports müssen Druck, Temperatur, Durchfluss und Qualität des CO₂ in den Pipelines und an den Terminals gemessen werden, um einen sicheren Transport sowie einen korrekten eichpflichtigen Verkehr zu gewährleisten.
Lieferung von Messanlagen mit Eichzulassung
Unabhängig vom gewählten Speicherverfahren ist eine umfassende Überwachung unerlässlich, um die langfristige Beständigkeit des Standorts zu gewährleisten und ein Entweichen von CO₂ in die Atmosphäre zu verhindern. Die effektive Überwachung von Kohlendioxid in Speicherstätten erfordert fortschrittliche Technologien und intelligente Gasdetektionssysteme. Dadurch bleiben die Bediener über Bewegung und Verhalten tief unter der Erde informiert. Kontinuierliche und zuverlässige Messungen sind von entscheidender Bedeutung für die frühzeitige Erkennung von potenziellen Anomalien und Undichtigkeiten und ermöglichen eine schnelle Benachrichtigung des Personals, damit es sofort eingreifen und Umweltrisiken minimieren kann.
Innovationen in der Transport- und Speicherinfrastruktur
Nach der Abscheidung müssen Entscheidungen über den Bestimmungsort des CO₂ und über die Mittel getroffen werden, wie es dorthin gelangen soll. Weitere Forschung und erhebliche öffentliche und private Investitionen sind unerlässlich, um die für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen benötigte Transport- und Speicherinfrastruktur aufzubauen. Dies wird die technologischen Fähigkeiten und die Wirtschaftlichkeit von CCUS-Verfahren verbessern und ihre breite Einführung in der Industrie erleichtern.
Die Abscheidung von CO₂ aus den Strömen industrieller Produktionsprozesse ist ein entscheidender erster Schritt in der CCUS-Wertschöpfungskette. Langfristig hängt der Erfolg jedoch von der Entwicklung sicherer, effizienter und nachhaltiger Lösungen für Transport, Nutzung und dauerhafte Speicherung ab. Bewährte Transportmöglichkeiten sind Pipelines, Überlandfahrzeuge und der Seetransport. Für die Speicherung sind geologische Formationen am besten geeignet.
Um die Effizienz zu steigern und noch weitere Optionen zu entwickeln, bedarf es der Abstimmung zwischen Regierungen, Prozessindustrie, Forschern und der Öffentlichkeit, um die technischen, wirtschaftlichen, regulatorischen und sozialen Herausforderungen zu bewältigen. Voraussichtlich werden Investitionen in diese Bereiche die positiven Auswirkungen von CCUS-Verfahren auf die Reduzierung von Treibhausgasen in den kommenden Jahrzehnten verstärken. Dies wird die Industrie dabei unterstützen, ehrgeizige Netto-Null-Ziele für eine nachhaltigere Zukunft zu erreichen.